Margret Grässlin (68), Christin, seit 46 Jahren glücklich verheiratet, hat 5 Kinder und 10 Enkel, ist Hebamme seit 50 Jahren. Als «GeburtsHelfer» unterstützt sie freiberuflich ca. 100 Kinder im Jahr ist.
Der etwas sperrige Studien-Titel «Sexuelle Einstellungen und Verhaltensweisen (hoch-)religiöser Christ:innen», zeigt genau auf, was Gegenstand der Forschung an über 10’000 Teilnehmern aus dem deutsch-sprachigen Raum war.
In der Ausgabe des SWK-Magazins «Rede Mitenand» 4/2025 ging es um das Thema «DankSager» und wir hatten in diesem Zusammenhang die grosse Freude, einen Gastbreitrag von dem promovierten Historiker Dr. Markus Spieker zu veröffentlichen. Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag, der aus Texten seines aktuellen Buches «Crazy World», das im vom Fontis-Verlag gerade erschien, zusammengestellt wurde.
Wir leben im Zeitalter der Masslosigkeit. Doch was, wenn das rechte Mass nicht in Kontrolle, sondern in Dankbarkeit liegt? Wir haben immer mehr. Aber wer viel hat, dem fehlt umso schmerzlicher, was er noch nicht hat oder was er verlieren könnte. «Man bedarf weit grösserer Tugenden, das Glück zu ertragen als das Unglück», seufzte ein intimer Kenner des französischen Königshofs, François de la Rochefoucauld (1613–1680).
Aber wie kommt man vom «too much» zum «darf’s ein bisschen weniger sein»? Keine Frage: Wir müssen die Tugend der Mäßigung neu entdecken. Eine Waage, die jeden Menschen individuell auf das richtige Mass einpendelt, gibt es leider nicht. Stattdessen müssen wir Kopfarbeit verrichten, uns selbst innerhalb der passenden Koordinaten verorten.
Wer von Gier und Angst, von Lust und Sorge ganz verkrampft ist, dem helfen mentale Dehn-Übungen, besser D-Übungen.
D wie Demut.
D wie Dankbarkeit.
Demütigend wirkt die lebenskluge Einsicht, dass nichts so wichtig ist, wie es scheint – eingeschlossen uns selbst. Lauter kleine Rädchen im gigantischen Getriebe. «Was machen wir nur ohne dich?», heißt es bei jeder Abschiedsfeier eines altgedienten Kollegen. Antwort: einfach so weiter. Heute VIP, morgen vergessen, gilt auch für Mitglieder der High Society. «Ein Ruhmestitel leuchtet kaum eine Stunde; ein Buch altert in einem Tag», sagte François-René de Chateaubriand.
Ich selbst feiere mit meinem Buch «Crazy World» ein Jubiläum: Seit genau zwanzig Jahren veröffentliche ich alle paar Jahre eine Gegenwartsanalyse. Ich habe mir das, was ich vor zwei Jahrzehnten verfasst habe, noch einmal durchgelesen. Ich muss gestehen: Ich hatte jede Menge Déjà-vu-Momente. Ich hatte schon damals mehr Realismus in der Betrachtung der Dinge angemahnt. Und ich hatte eine Rückbesinnung auf christliche Werte und Glaubensinhalte empfohlen. Beide Impulse gefielen einigen Lesern. Eine Breitenwirkung ist jedoch nicht eingetreten.
Auch das macht bescheiden.
Staunen lernen – die Welt als Geschenk sehen
Der materielle Wohlstand ist in Westeuropa geradezu explodiert. Heutzutage gibt es für alle mehr Geld, mehr Freizeitoptionen und durchschnittlich doppelt so viele Lebensjahre, um beides zu geniessen. Das hat seine Schattenseiten, gibt aber auch Grund zur Dankbarkeit.
Wir Menschen haben es weit gebracht, seit wir vor etwas mehr als zehntausend Jahren sesshaft geworden sind.
Ich komme jedes Mal ins Staunen, wenn ich eine Reise mache: jeder Flughafen – ein Wunderwerk der Koordination. Jeder Hafen ebenfalls. Überhaupt die ganze Weltlogistik: Sie ist buchstäblich Quantensprünge von den Zeiten entfernt, in denen auf irgendeinem mesopotamischen Markt Kamele gegen Bronzemesser eingetauscht wurden. Viel Blut, Schweiss, Tränen sind seitdem geflossen. Wir stehen auf den Schultern von Milliarden von Vorfahren, die den Felsblock des Fortschritts qualvoll zu der Stelle hochgerollt haben, auf der wir stehen.
Danke dafür.
Als «Wachsamkeit der Seele, die darauf bedacht ist, das nicht verloren gehen zu lassen, was für sie einen ständigen Wert darstellt», hat Gabriel Marcel die Dankbarkeit umschrieben. Die Definition findet sich in seinem Aufsatz «Der Untergang der Weisheit» aus dem Jahr 1960. Undankbarkeit ist aus Sicht von Marcel Dummheit, und das «Vergessen […] ein Verstoss gegen die Treue».
Der Undankbare leugnet, wie viel Aufwand hinter manchen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten steckt.
Ich kenne keine effektivere Methode, sich in Demut und Dankbarkeit zu üben, als über Gott nachzudenken und zu ihm zu beten. Welche Vorstellung ist schon selbstwertsteigernder, als sich seiner Abstammung als Gottesgeschöpf bewusst zu werden? Und was ist eine geeignetere Selbstüberschätzungsprophylaxe, als sich die Dimensionen der Gesamtschöpfung zu vergegenwärtigen – ein paar Hundert Milliarden Sonnensysteme, allein in unserer eigenen Galaxie, von der es wiederum genauso viele Varianten gibt.
Wenn ich meine Perspektiven geraderücken will, hilft mir tagsüber ein Gang in die Natur, nachts der Blick zum Sternenhimmel – und bei Tag und bei Nacht der Besuch im Museum.
«Man muss Gott Tag für Tag danken, dass er einen geschaffen hat, denn er hätte es ebenso bleiben lassen können», hat der Schriftsteller Julien Green (1900–1998) in sein Tagebuch notiert.
Ich habe angefangen, jeden Morgen mit dieser D-Übung zu beginnen.
Dieser Text von Markus Spieker ist dem Buch «Crazy World» des Autors entnommen, welches im Oktober 2025 im Fontis-Verlag erschienen ist.
Markus Spieker
Crazy World
Fontis-Verlag, 2025
Klappenbroschur, 263 Seiten
ISBN: 9783038483045
33.00 CHF
Zu beziehen unter: https://www.fontis-shop.ch/products/crazy-world

Leiter Marketing und Kommunikation
«Die Werte, Anliegen und Aktivitäten des SWK zeitgemäss zu transformieren und kreativ zu kommunizieren zum Wohle Aller,
das ist meine Leidenschaft.»
In der Ausgabe des SWK-Magazins «Rede Mitenand» 3/2025 ging es um das Thema «LückenFüller» und wir hatten die grosse Freude, mit dem Zahnarzt Dr. Ulrich Zobel aus Steinen (zwischen Basel CH und Lörrach D) zu sprechen.
Dr. Ulrich Zobel (50), Christ, Ehemann (von Anja Zobel), Vater von vier Kindern, Zahnarzt seit 22 Jahren mit den Schwerpunktthemen Zahnerhaltung, Zahnersatz, Chirurgie und Implantate mit eigener Praxis «Dr. Kaiser, Dr. Zobel & Partner», Wanderer, Kletterer, Radfahrer … und noch so viel mehr …
Nachfolgend das vollständige Interview:
Eberhard Johannes Koll (EK): Dr. Ulrich Zobel, Studien ergaben, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung Angst vor dem Zahnarztbesuch haben. Warum ergreift man so einen Beruf?
Ulrich Zobel (UZ): Mir war der Beruf nicht fremd, da beide Grosseltern ebenso wie meine beiden Eltern Zahnärzte waren. Dazu kommen noch ein Onkel und eine Cousine.
Ich selber habe diesen Beruf gewählt, weil es schon immer mein Wunsch war, mit Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen zu helfen. Wenn es mir dann auch noch gelingt, den Patienten die Angst vor dem Zahnarztbesuch zu nehmen, kann dies ein sehr erfüllender Beruf sein.
EK: Ein Foto auf Ihrer Praxis-Website verspricht «ALWAYS SMILE …». Ist es das, was Sie sich wünschen für Ihre Patienten?
UZ: Natürlich wünschen wir uns, dass sich sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Patienten bei uns wohlfühlen. Und wer sehnt sich nicht danach, glücklich zu sein und unbeschwert lachen zu können. Daran sollten niemanden kaputte und fehlende Zähne hindern. Und da kommen dann wir ins Spiel …
EK: In unserer Ausgabe geht es (auch im übertragenen Sinne) um «LückenFüller». Inwiefern finden Sie sich mit Ihrer Arbeit da wieder?
UZ: Wer hat schon gern eine Lücke zwischen den Zähnen, in der sich ständig das Essen festsetzt? Dies ist ein Moment, wo der ein oder andere sogar gern zu uns kommt, um diese Lücke oder das Loch zwischen den Zähnen schliessen zu lassen. Aber auch richtige Lücken, z. B. durch verloren gegangene Zähne werden gerne durch Brücken oder Implantate geschlossen, damit man wieder kraftvoll zubeissen kann.
EK: Schöne Zähne werden in unserer Gesellschaft zunehmend als Statussymbol angesehen. Ein strahlendes, makelloses Lächeln symbolisiert oft Gesundheit, Jugendlichkeit und Vitalität. Füllen Sie demnach weit mehr als nur Zahn- oder Versorgungslücken?
UZ: Ja, das kann man so sehen! Denn es gibt auf jeden Fall einen Zusammenhang zwischen dem Zustand unserer Zähne und unserem Selbstwertgefühl. Es geht nicht nur um Funktionalität, sondern darum, ob ich mich in meiner eigenen Haut bzw. mit meinen Zähnen wohl fühle.
So denke ich, dass man mit schönen Zähnen ein sichereres Auftreten in der Gesellschaft hat, da zerstörte Zähne oder Zahnlücken dazu beitragen, dass eine Person einen verwahrlosten Eindruck bei seinen Mitmenschen hinterlassen kann. So kann ein gepflegtes Äusseres samt schöner Zähne z. B. bei einem arbeitssuchenden Menschen dazu beitragen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
EK: Würden Sie so weit gehen, dass Sie und Ihr Praxisteam nicht nur für ein strahlendes Lächeln, sondern auch indirekt für die Würde Ihrer Patienten unterwegs sind?
UZ: Tatsächlich hatte ich bei dem ein oder anderen Patienten das Gefühl, dass wir ihm durch die Sanierung der Zähne einen Teil seiner Würde wieder zurückgeben konnten.
EK: Inwiefern spielt Ihr Christsein und Glaube in die tägliche Praxisarbeit hinein?
UZ: Es ist offensichtlich, dass Gott die zwischenmenschliche Beziehung sehr wichtig ist. Er hat mir diesen verantwortungsvollen Beruf anvertraut, bei dem ich das Privileg habe, über 4000 Patienten meist halbjährlich zu sehen und sie ein stückweit auch begleiten zu dürfen. So kann ich sie in schwierigen Lebensphasen ermutigen oder Ihnen Trost zusprechen und manchmal bietet sich auch eine Gelegenheit, von unserem liebenden Gott zu erzählen oder auch für sie zu beten.
EK: Ihre Frau ist ebenfalls Zahnärztin in Ihrer Gemeinschaftspraxis. Behandeln Sie sich dann gegenseitig und ist das nicht komisch, wenn Ihre Frau sagt: «Mund auf Schatz und es wird sicher wehtun?»
UZ: Selbstverständlich behandeln wir uns gegenseitig! Da sie mich kennt, wie sonst niemand anderes, weiss sie mit meinen Ängsten umzugehen. Sie ist von ihrer Art her ein sehr mitfühlender Mensch und arbeitet auch äusserst sorgfältig. So kann ich ihr voll vertrauen, auch wenn es mal schmerzt …
EK: Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit und Bereitschaft für dieses Interview. Eine letzte Frage, was würden Sie unternehmen, um mir die Angst vor einer Behandlung zu nehmen?
UZ: Ich lasse während der Behandlung gerne mal beruhigenden Lobpreis im Hintergrund laufen und würde versuchen, Sie liebevoll und mit Wertschätzung zu behandeln. Dies baut mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis auf und kann tatsächlich die Angst stark verringern oder sie sogar nehmen.
Ausserdem können und sollten wir jederzeit mit unseren Ängsten zu Gott kommen (1.Petrus 5,7). Daher sind wir in der Praxis auch immer bereit für unsere Patienten oder gemeinsam mit Ihnen zu beten!
EKO: Ich danke Ihnen herzlich für das Interview.
Das Interview führte
Eberhard Johannes Koll
August 2025

Leiter Marketing und Kommunikation
«Die Werte, Anliegen und Aktivitäten des SWK zeitgemäss zu transformieren und kreativ zu kommunizieren zum Wohle Aller,
das ist meine Leidenschaft.»
Zwei Menschen begegnen sich oft in der Hoffnung: «Wenn ich mit dieser Person zusammen bin, wird sie mich glücklich machen, meine Bedürfnisse erfüllen und Lücken in meinem Leben schliessen.»
Dr. Barbara Studer, Expertin für Hirngesundheit, erklärt in diesem Interview wie wir mit kleinen Veränderungen unser Gehirn stärken und unser Glück aktiv beeinflussen können.
Déborah Rosenkranz verrät uns warum sie glaubt, dass in jeder Wunde ein Wunder steckt, welche Wunder sie schon erlebt hat und woher ihre Liebe kommt.
Erfahren Sie mehr über das Leben und die Arbeit des vielfach ausgezeichneten Journalisten und Regisseur des Dokumentarfilms «Philipp Mickenbecker – Real Life»…
Steht der christliche Glaube für harte Umgangsformen mit Kindern? Das Team von «inBindung» widmet sich diesem Thema. Julia und Junita erzählen, wie sie eine Jesus-orientierte Erziehung sehen.
Judith und Ruedi König reparieren für Menschen Gegenstände und schenken ihnen so ein zweites Leben.


