Seit 35 Jahren sind Kurt und Verena ein Ehepaar. Bei einer Tasse Tee erzählen sie mir von prägenden Augenblicken und Spannendem aus ihrem gemeinsamen Leben.

Kurt: «Wir lernten uns kennen, als ich meine ältere Schwester in Sarnen besuchte. Verena gefiel mir vom ersten Moment an. Bald darauf trafen wir uns in Luzern wieder. Wir redeten viel und lange. So begann unsere Beziehung. Ich war 17 und Verena 19 Jahre jung. Verena reiste mit meiner Schwesterund noch zwei anderen Freundinnen für drei Monate nach Israel. Mit von der Partie war ein überzeugter Christ. Dank ihm kamen meine Schwester und Verena voller Feuer für Jesus zurück. Sie suchten eine Kirche. Ich ging ebenfalls mit und hörte das erste Mal bewusst von Jesus und seiner Liebestat am Kreuz für mich. So investierten wir unsere Zeit in diese Freikirche und wuchsen im Glauben an Gott.»

Verena: «Meine Eltern waren keine gläubigen Christen. Durch die Konfirmation durfte ich, genauso wie Kurt, Jesus in einer evangelischen Kirche kennenlernen. Gemeinsam besuchten wir dann die Pfingstmissionsgemeindein Luzern. Der Glaube an Jesus war von da an unsere Lebensbasis, und das ist er bis heute.1984 läuteten die Hochzeitsglocken für uns. Ich zog in das Elternhaus von Kurt auf den Klosterhof in Aesch LU ein, was nicht einfach war, lebten doch zwei Generationen im selben Haus. Zwei Jahre später wurde unser Sohn geboren. Später kamen noch drei wunderbare Töchter dazu und machten unser Familienglück komplett. Da der Bauernbetrieb mit den Tieren sehr arbeitsintensiv war, entschieden wir uns, in der Nähe unseres Wohnorts eine geistliche Heimat zu suchen. Zuerst besuchten wir in Reinach die Chrischona. 1987 fassten einige Beinwiler mit uns zusammen den Entschluss, die Chrischona Kapelle Beinwil am See erneut zu beleben. Wir engagierten und beteiligten uns beim Aufbau dieser Gemeinde mit allen Hochs und Tiefs und sind bis heute Teil davon.»

SWK: Wie ist heute Eure Familiensituation?

Verena: «Heute sind unsere vier Kinder erwachsen. Alle sind verheiratet und wir haben wunderbare Schwiegerkinder dazubekommen. Das achte Enkelkind ist vor kurzem auf die Welt gekommen und wir geniessen einen liebevollen Kontakt mit allen. Wir wohnen immer noch im gleichen Haus. Anfangs wohnten wir in der sogenannten Stöckliwohnung, tauschten später mit Kurts Eltern und zogen in die grosse Wohnung. Den Hof hatten wir zuerst gepachtet und konnten ihn dann 1993 käuflich übernehmen.»

«Verena gefiel mir vom ersten Moment an.»

Kurt: «Ich lernte Landwirt und arbeitete auf dem Hof. Ich übernahm ganz klassisch von meinem Vater den Bauernhof mit Tieren, Ackerbau und Obstbau. Im Jahr 2000 sehnte ich mich nach einer Veränderung. Nach reichlicher Überlegung entschied ich mich, den Rebbau, welcher über Jahrhunderte auf dem Klosterhof betrieben wurde, neu aufleben zu lassen. Früher gehörte der Klosterhof dem Kloster Muri. In der 400 Jahre alten Trotte, die immer noch steht, stellten die Benediktinermönche den Wein her. Mein Urgrossvater riss 1905 die Weinreben aus, da die Reblaus im Seetal den Weinanbau erschwerte. Hundert Jahre ruhte diese Rebbau-Tradition. Nun bin ich im Rebbau und dem Ackerbau tätig. Die Tiere gaben wir auf. Nach und nach begannen wir, Gästebewirtungen anzubieten, Führungen auf dem Hof, Wein-Degustationen, Essen und Festivitäten. Vieles findet in unserem schön gestalteten Gewölbekeller statt. Ausserdem haben wir 2008 ein Lebensbaum-Park ins Leben gerufen. 10 Jahre lang pflanzten wir Fruchtbäume an, meistens für Eltern, die ein Kind bekommen haben. Diese alte Tradition von früher fand grossen Anklang und so stehen nun 106 Bäume im Park. Jetzt ist dieses Projekt abgeschlossen.»

Verena: «Nach meiner Ausbildung in Sarnen konnte ich im Seetal Spitex-Stationen ferienhalber ablösen. Das war super, denn so lernte ich meine neue Umgebung kennen. Bevor wir heirateten, absolvierte ich die Bäuerinnen Schule, damit ich eine gute Ausbildung hatte und vorbereitet war. Ich half auf dem Hof mit und kümmerte mich um unsere Kinder. Vor 10 Jahren liess ich mich beim Institut für Christliche Lebensberatung (ICL) zur Seelsorgerin ausbilden. Auf dem Hof bin ich nach wie vor sehr involviert, aber ich nehme mir sehr gerne Zeit für seelsorgerliche Gespräche und für unsere Enkelkinder.»

Kurt: «Unser Schwiegersohn unterstützt uns auf dem Hof tatkräftig und dafür sind wir sehr dankbar. Wir empfinden es als Geschenk und staunen über Gottes Zeitplan, der immer das eine oder andere entstehen liess, Türen auf oder zu machte. Wir spüren unser Älterwerden und haben uns nach dieser Entlastung gesehnt.»

Ist es möglich, dass eine Ehe so lange halten kann? Kann man sich so lange treu bleiben?

Verena: «Ja, das ist möglich! Wir erlebten viele Herausforderungen, haben aber dadurch eine Entwicklung erlebt. Bei den Tiefpunkten mussten wir uns immer wieder füreinander entscheiden. Lebenslang zusammenbleiben ist für uns Gnade.»

Kurt: «Ja, das kann man so über allem sagen. Unsere Beziehung hätte in den Herausforderungen auch auseinanderbrechen können. Zum Beispiel war es in meinem Elternhaus schwierig. Da prallten verschiedene Glaubensrichtungen aufeinander und das zerriss uns fast. Wichtig war die tägliche Bereinigung abends im Bett. Das war auch ein Lernprozess und gelang uns nicht von Anfang an. Wir mussten uns immer wieder füreinander entscheiden, auch wenn es gefühlsmässig noch nicht übereinstimmte. Wir sind aufeinander angewiesen, arbeiten tagtäglich zusammen, engagieren uns zusammen in der Kirche und in Vereinen.»

Welche Entwicklung habt ihr in Eurer Ehe erlebt?

Verena: «Die turbulente Zeit mit den Kindern zusammen war wunderschön, aber intensiv. Wir erlebten auch sehr schwere und überfordernde Ereignisse. Zum Teil geschah dies Schlag auf Schlag, neben der Betriebsumstellung, meinem Hirntumor, der viermal operiert werden musste und Kurts Burnout. Diese schwere Zeit brachte uns zwei und uns als ganze Familie nahe zueinander. Wir geniessen die Beziehungen zu unseren Kindern und Grosskindern im Bewusstsein, dass alles ganz anders hätte ausgehen können. Mit 50 Jahren durfte ich die Ausbildung am ICL starten und das hat mir selber innere Heilung gebracht. Dadurch wurden Kurt und mir viele Gedankengänge und Handlungsweisen bewusst, die nicht gesund waren und die es anzugehen hiess. Nun sind unsere Augenblicke noch schöner und entspannter.»

«Wir wollen den anderen wertschätzen, ihm das auch sagen und nicht nur denken.»

Gab es in dieser Zeit Augenblicke zu zweit?

Verena: «Während der schwierigen Zeit war das kaum möglich. Wir mussten uns zusammenraufen und funktionierten einfach. Gott wurde uns in dieser Phase ganz gross und wir wussten, dass wir ihn brauchten. In der absolut schwierigen Phase, in denen sich zwei unserer Kinder und wir selber befanden, war es uns sehr wichtig, sie wo immer möglich zu unterstützen.»

Kurt: «Heute haben wir viel mehr Augenblicke zu zweit. Wir geniessen gemeinsame Ferien oder im Alltag, wenn wir beispielsweise Wein ausliefern, trinken wir unterwegs zusammen Kaffee. Wir sind eher spontan und geniessen dann diesen Augenblick.»

Wie gestaltet Ihr Euer Eheleben?

«Wir lesen morgens gemeinsam die Bibel und beten miteinander. Seit einigen Jahren gelingt uns diese Zweisamkeit mit wenigen Ausnahmen. In unserer Traupredigt ging es darum, füreinander, miteinander, nebeneinander oder gegeneinander zu leben. Manchmal ist es ein Füreinander und ein Miteinander, manchmal auch ein Nebeneinander. Das hat Qualität – aber wir wollen kein Gegeneinander. Das Beste für den andern wollen und in Liebe dem Partner vertrauen und ihm die Freiheiten geben, die er braucht. Gemeinsame Zeiten sind wichtig und die planen wir, auch Intimität. Wir wollen den anderen wertschätzen, ihm das auch sagen und nicht nur denken. Wir nehmen uns tagsüber auch mal in die Arme.»

Habt Ihr Träume?

«Wir träumen oder wünschen uns, dass im Seetal noch viele Menschen Jesus kennen lernen. Uns beschäftigt die Frage, wo wir in drei Jahren wohnen werden, wenn wir den Hof übergeben. Was hat Gott noch für uns bereit? Wo möchte er uns einsetzen? Wichtig ist auch, unsere Enkelkinder prägen zu können und für sie und unsere Kinder da zu sein.»

Kurt: «Ich stelle mir vor, dass ich im Betrieb mitarbeiten werde und bin gespannt, ob noch etwas anderes kommt.»

Herzlichen Dank für diesen Einblick ins Leben!


Das Interview führte unsere freiwillige Mitarbeiterin Marlène Möri.

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