Da sitze ich nun auf unserem Sofa und sinniere über den gestrigen Abend nach. Dabei huscht mir ein Lächeln über das Gesicht. Alles in allem war es doch letztlich ein gelungener Abend. Da wäre zum einen die Stube voller Freunde zu erwähnen, die gemeinsam mit mir Thanksgiving feiern, ein unterhaltsames Footballspiel am Fernseher und natürlich ein gelungenes Essen. Naja, fast gelungen. Zwar erhielt ich für das Fleisch und die köstlichen Beilagen viele positive Rückmeldungen. Doch mein Koch-Stolz war dennoch geknickt. Anders als in anderen Jahren, war mir dieses Jahr nämlich die Präsentation des Truthahns nicht wirklich gelungen…

Als ich über Verbesserungsmöglichkeiten für nächstes Jahr nachdachte, fiel mir auf: Eine Ehe hat viele Parallelen mit der Zubereitung eines Truthahns zu Thanksgiving.
Hier meine Erkenntnisse:

1. Eine gute Vorbereitung ist zentral

Im Nachhinein ist man oft schlauer. So habe ich mir vorgenommen, nächstes Jahr mit der Planung der Beilagen nicht erst am Vorabend zu beginnen. Auch empfiehlt es sich, sich vorgängig darüber zu informieren, ob es für die Zubereitung einen Backofen benötigt oder nicht. Denn ist dieser bereits mit einem Truthahn besetzt, könnte es zu Engpässen in der Küche kommen. Wer also will, dass sein Truthahn für andere zu einem Festmahl wird, tut gut daran, im Voraus zu planen.

Ähnlich wie beim Einkauf für ein Truthahnessen, lohnt es sich auch bei einer Ehe gut und idealerweise im Voraus zu planen: Was will man denn? Was braucht es dazu? Was ist bereits vorhanden? Und was sollte man sich besser noch im Vorfeld aneignen/anschaffen?

2. Kontinuierliche Pflege macht das Fleisch erst saftig und zart

Einen Truthahn zu kochen ist kein Selbstläufer. Es erfordert viel Zeit, Pflege und Geduld. Durchschnittlich gart dieser nämlich 3.5-4 Stunden im Backofen. Schließlich ist es ja auch kein „à la minute-Plätzchen“. Doch wer denkt, man öffnet den Backofen nur 2x hat weit gefehlt. Denn nebst dem Hineintun und Rausnehmen muss der Vogel regelmässig eingefettet werden. Lässt man diesen Schritt aus, wird das Fleisch trocken. Da hilft es dann auch nichts, wenn man einen Turnus auslässt und dafür beim nächsten Mal doppelt so viel Butter verwendet. Nein! Kontinuität ist das Schlüsselwort.

Wer seine Ehe nicht immer wieder neu hegt und pflegt braucht sich nicht zu wundern, wenn gewisse Bereiche vertrocknen und kein „Lebenssaft“ mehr in ihnen steckt. Auch hier empfiehlt es sich kontinuierlich in die eigene Beziehung zu investieren, sie zu «fetten» um so den besten Geschmack hervorzubringen.

3. Behutsamkeit erhält den Truthahn

Als visionärer Typ liegt mir mehr das Grosse, Weite und Allgemeine. Feinmotorik ist da nicht so meine Stärke. Ebenso wenig Detailarbeit. Doch beim Kochen machen oft genau diese den Unterschied zwischen einem normalen Essen auf dem Tisch und einer vorzüglichen Mahlzeit. Und da kommt nun mein gebrochener Koch-Stolz ins Spiel. Alles lief eigentlich nach Plan. Sogar ein paar Pannen hatte ich bisher meisterlich ausgehebelt. Als die Gäste nun eintrafen, setzte ich zum Schlussspurt an. Und dann geschah es: Beim Versuch den Truthahn aus dem Bräter zu nehmen um ihn auf einer Platte schön präsentieren zu können, drohte dieser auseinanderzubrechen. In der Hitze des Gefechts brach dabei ein Flügel ab. Ganze 4.5 Stunden Kochzeit und dann das – ein Vogel ohne Flügel. Na toll!

Auch in einer Ehe ist es wichtig, dass man behutsam miteinander umgeht und der Ehe Sorge tragt. Wer dies nicht tut, braucht sich nicht zu wundern, wenn der eigene „Ehe-Vogel“ plötzlich droht auseinanderzubrechen.

4. Erst die Beilagen machen das Menu komplett

Den Truthahn tranchierte ich aus den oben aufgeführten Gründen in der Küche. Doch zu meinem Erstaunen war mein Missgeschick gar nicht so relevant für die Gäste. Denn erst das Fleisch in Kombination mit den einzelnen Beilagen machte für sie das ganze Menu zu einem Festmahl.

Wie wahr!Eine „genussvolle“ Ehe ist schön. Doch noch besser kommt sie zur Geltung, wenn man sie mit anderen (Beilagen) teilt. Und präsentiert man das Ganze dann noch auf einem Teller isst dann langsam auch das Auge mit.

5. Flexibilität beim Kochen ist hilfreich

Ich bin womöglich nicht der typische und schon gar nicht der beste Koch. Dessen bin ich mir bewusst. Doch auf eines war ich letztlich stolz an diesem Abend: Meine Flexibilität. Nicht alles verlief so, wie ursprünglich geplant, doch alles wurde letztlich besser als erhofft. Da wäre zum Beispiel das „Stuffing“ welches ich laut Rezept 3 Tage zuvor hätte vorbereiten sollen, was jedoch eine Stunde vor Kochbeginn nicht mehr möglich war. Improvisation war nun also gefragt. Und obwohl gerade diese Beilage ganz und gar nicht nach Rezept verlief, war es genau diejenige, die als erstes von allen verspeist wurde.

Manchmal läuft in einer Ehe nicht alles nach Plan und es gibt auch nicht für jede Situation ein Rezept. Bleibe also flexibel und lass dich auf Neues ein. Du wirst staunen, was sich daraus alles ergeben kann!

In diesem Sinne: Guten Appetit!


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