Nur Harmonie?

Ich gebe es zu: In mir schlummert ein zutiefst harmoniebedürftiger Mensch. Dies sieht dann etwa so aus: Friedlich sein miteinander, nicht streiten, keine Konflikte austragen müssen, sich in allem einig sein, mich möglichst aus schwierigen Diskussionen heraushalten und verkrümeln. Aber ja klar, geht es dann darum, etwas durchzusetzen, dann kann auch ich voll auf die Barrikade steigen und meine Hemmschwelle wird sehr klein.

Die Frage, wie andere mit dem Thema Frieden umgehen, interessierte mich im Zusammenhang mit unserem Weihnachtsthema darum ganz besonders. So machte ich eine kleine Umfrage bei Menschen unterschiedlichen Lebens-, Berufs- und Altersabschnitten. Dass es dabei um weit mehr geht, als dem einfachen Wunsch nach Harmonie, war von vornherein klar. Spannend, welche Schwerpunkte gelegt wurden. Ich fasse die Aussagen so zusammen, dass wir alle etwas daraus nehmen und für uns selber anwenden können.

Im Gespräch bleiben

Bei meinen Gesprächen wird deutlich, wie sehr die Friedlosigkeit in der Welt uns Menschen beschäftigt. Dass egoistisches Denken, Machtgehabe und Unversöhnlichkeit nicht nur in der Weltpolitik ein grosses Problem ist, macht betroffen. Zufrieden zu sein, mit dem was man hat und sich nicht mit andern zu vergleichen, birgt grosses Potential, damit Frieden im Kleinen möglich ist.

Frieden hat immer etwas zu tun mit dem Zusammenleben, sei dies bei der Arbeit oder im privaten Familien- und Freundeskreis. Damit Frieden darin sichtbar wird, ist gute und offene Kommunikation wichtig. Einander vertrauen können bedingt, genügend Zeit für das Miteinander zu haben. Dazu gehört das Gespräch darüber, wie wir miteinander umgehen, unser Verhalten einander gegenüber. Nur so können wir unseren Umgang miteinander immer wieder reflektieren. Friede ist dabei nicht ein Zustand, sondern die Art, wie wir miteinander umgehen. Es ist unsere innere Haltung, eine Lebensweise, die wir selber beeinflussen können und von der wir den Anspruch haben, dass sie nicht zerstörerisch ist.

Ehrlichkeit

Die Juden begrüssen einander mit dem Gruss «Schalom». Allgemein wird das Wort mit «Frieden» übersetzt. Mehr noch ist darin aber auch die Frage enthalten: «Ist alles in Ordnung zwischen uns?» Wenn das Gegenüber mit Schalom zurückantwortet, ist dies wie eine Bestätigung: «Ja, es ist alles in Ordnung zwischen uns.»

Auch persönlich kann dieses «Schalom» gut angewendet werden. «Kann ich mir selber in die Augen schauen? Bin ich im Reinen mit mir selber und mit andern? Habe ich alles in meiner Hand Liegende gemacht, um auch Unmögliches möglich zu machen?» Sich nach Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen auch entschuldigen zu können bringt Frieden für mich selber und auch für andere.

Darin wird auch spürbar, dass man den andern annimmt, auch wenn er komplett andere Ansichten hat als ich und auch sonst ein völlig anderer Lebenskurs einschlägt. Annahme ist ein lebenslanger Prozess und geht immer einher mit Loslassen von festgefahrenen Ansichten. Loslassen kann dann auch bedeuten, andere ganz in Gottes Hand lassen und ihm vertrauen, dass er für ihn und mich richtige Wege führt. Wenn Annahme so gelingt, kann Ruhe in unser Innerstes einkehren. Und dann kann auch vorhandener Groll abgelegt werden. Es bedeutet auch, Respekt vor dem anderen und dessen Bedürfnis zu haben. Freiheit in Beziehungen ist ein wichtiger Bestandteil und beinhaltet ein Miteinander ohne Bedrängung.

Das tiefste Glück

Besonders erlebt wird Friede auch im persönlichen Du zu Du mit Gott. Egal, ob auf einem Spaziergang im Wald, im Gespräch über Gott mit andern oder in der Stille und dem Gebet zu Hause. Ein offenes Herz und offene Sinne für das Reden Gottes, egal ob über innere Gedanken oder äussere Einflüsse füllt uns Menschen mit einem Glücksgefühl, das mit nichts zu vergleichen ist. Diese innere Zufriedenheit ist purer Friede, egal ob wir in schwierigen Lebensumständen stecken oder ob es uns gut geht.

Wenn wir diese enge Beziehung zu Gott leben, wird das auch nach aussen spürbar. Atmosphären verändern sich, anstehende, schwierige Gespräche werden gut bewältigt, herausfordernde Lebenssituationen werden tragbar. Menschen fühlen sich sicher und aufgehoben, Entspannung wird spürbar. Das ist Friede.

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